Eine Institution jubiliert – 40 Jahre Zirkus Otelli
Seit 40 Jahren erfreuen die Aufführungen des Jugendzirkus Otelli. Mit einem grandios-furiosen Jubiläumsprogramm zeigen die jungen Artistinnen und Artisten das ganze Spektrum zirzensischer Kunst.
Seit 40 Jahren erfreuen die Aufführungen des Jugendzirkus Otelli. Mit einem grandios-furiosen Jubiläumsprogramm zeigen die jungen Artistinnen und Artisten das ganze Spektrum zirzensischer Kunst.
Otelfingen. Das Zelt wirkt so klein wie der dazugehörende Zirkuswagen – wie sollen all die vielen Gäste, die mit Popcorntüten auf rotem Teppich auf Einlass warten, bloss darin Platz finden? Und dann ist da noch das grafisch wunderschön gestaltete Programmheft in O-Form, welches mit 40 Nummern abendfüllende Unterhaltung verspricht – es wird heiss. Fritz Zollinger hatte seinerzeit eine Vision und Passion, die er heute mit noch der genau gleichen Leidenschaft Jugendlichen möglich macht: in eine bunte Welt der Artistik abzutauchen. So dreht er mit viel Inbrunst die Drehorgel, einladend ins Chapitau.
Zusammengerückt auf schmalen Bänkli oder Stühlen in den «besseren» Platzkategorien lernt sich kennen, wer noch nicht miteinander bekannt ist. Wer den Blick in der schon vor Vorstellungsbeginn spürbar besonderen Atmosphäre herumschweifen lässt, stellt fest: Hier gibt es alles, was man von einem «richtigen» Zirkus erwartet. Eine doppelt besetzte Technik auf etwa einem Quadratmeter, Live-Musik, Lichttraversen für besondere Effekte und einzigartig eine Drehmanege. Die wird gleich von vier wirbligen Conférencieren in Beschlag genommen. Sie führen mit viel Witz und Charme durch die unterschiedlichsten Nummern. Was die Zusehenden geboten bekommen, bewegt sich auf erstaunlichem Niveau. Ja, die jungen Artistinnen und Artisten haben Woche für Woche geübt. Was federleicht ausschaut, erfordert oft intensives Training und manchmal auch ein sich Durchbeissen. Am Ende hindert auch ein Fuss in Bandage nicht daran, diesem eher aussergewöhnlichen Hobby zu frönen. Die spürbare Freude überträgt sich auf’s Publikum, der Applaus nach jeder Darbietung ist herzhaft und lautstark.
Es würde den Rahmen sprengen, all das Gesehene aufzulisten und für sich zu bewundern. In diesem kleinen Zelt hängen nicht nur Vertikaltücher, fliegen Jonglierbälle und Keulen, drehen Rhönräder, hängt ein Virus nebst Triangel und besonderer Note in der Luft. Plötzlich schwirrt eine freche Drohne über die Köpfe hinweg und sorgt kurzfristig für Abkühlung oder kürzeren Haarschnitt. Grosse Einräder und Todesleiter – mit passendem Soundtrack «Spiel mir das Lied vom Tod» – erfordern zudem Mut und G’spüri.
Ein kulinarisches Pausenbuffet vollenden den Genuss herausgekitzelter Sinne. Letzteres und starke Umbauhelfer bestätigen, ohne eine tolle Teamleistung, in welche die Eltern mit eingebunden sind, ist ein solcher Effort und eine solch wunderbare Zeit nicht möglich. Zu hoffen ist, dass diese Magie mit Otelli noch lange weiter lebt.
Martin Allemann
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